Um es vorwegzunehmen: ganz eindeutig Ja!

Ich habe mir bis jetzt vorgenommen, mich auf meiner Seite nicht politisch zu äußern.Da es aber ein medizinisches Thema betrifft, das in einem gesellschaftlichen Zusammenhang steht, tue ich es trotzdem.

Ich bin der Auffassung, dass natürlich jeder medizinische Eingriff grundsätzlich ein Risiko darstellt. Auch eine Impfung und ich kann auch nachvollziehen, dass man sich bei einer bisher unbekannten Technologie wie m-RNA Bedenken haben kann und auch dem Körper potentiell schaden kann.

Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn ich keine Impfung gebraucht hätte. Die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens überwiegt ganz eindeutig. Daher zahle ich gerne diesen Preis – wie die meisten von uns. Mir haben Patienten von Nebenwirkungen erzählt. Etwas Schlimmes habe ich aber von niemandem gehört, geschweige denn gesehen.
Ich bekomme immer wieder Berichte von Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten und die erzählen mir glaubhaft, dass auf den Intensivstationen Ungeimpfte sind und zum Teil auch schon 30-Jährige.

Die Geimpften sind Patienten, bei denen es Gründe gibt, weshalb die Impfung nicht voll wirksam ist wie z.B. Immungeschwächte, Krebskranke oder Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Eine Impfung verhindert definitiv einen schlimmen Verlauf.
Da die Intensivstationen bald nicht mehr den vielen Patienten Herr werden, kann ich nur an jeden appellieren, sich schnellstens impfen zu lassen.

Es geht hier nicht mehr um Einzelinteressen, sondern um uns alle.

Es werden OPs verschoben, andere Intensivpatienten bekommen nicht mehr die adäquate Behandlung. Das wird Menschenleben kosten. Das Pflegepersonal und die Ärzte sind über alle Grenzen belastet (das weiß ich aus erster Hand).

Von der Belastung, die ein (unnötiger) Patient auf der Intensivstation kostet (ca. 20.000 bis 145.000 Euro+ Reha und Arbeitsausfall) für unsere Sozialsysteme, müssen wir gar nicht sprechen.

Geimpfte, die sich infizieren müssen in Quarantäne mit entsprechenden einschränkenden und wirtschaftlichen Folgen, welche selbstverständlich auch die Lebensqualität einschränken. Mir ist klar, dass niemand gezwungen werden kann, sich impfen zu lassen.

Ich finde es tragisch, wie sich bei vielen auch von mir sehr geschätzten Menschen die Propaganda gegen das Impfen in den Köpfen festgesetzt hat.Es findet eine Spaltung statt, wie wir es schon bei Themen wie Migration, Brexit oder Trump beobachten konnten.

Vieles wird bewusst über Medien wie Facebook ausagiert und es gibt handfeste Interessen, in der westlichen Welt eine Spaltung zu erzeugen. Ich denke akut daran, wie Lukaschenko die Flüchtlinge instrumentalisiert. Auf vielen Ebenen findet eine Entmenschlichung statt, bei der das menschliche Miteinander auf der Strecke bleibt. Die Vereinzelung wird als Freiheit verkauft.

So entsteht dann ein vordergründiger Kampf um „Freiheitsrechte“. Ich finde, es gibt auch Freiheitspflichten, besonders, wenn andere Menschen durch das Verhalten anderer potentiell existentiell bedroht werden. Wir müssen alle zusammenhalten und das „Opfer“ -wenn wir es so sehen wollen- der Impfung zu bringen. Alles andere ist im Moment unmenschlich.

Jeder Ungeimpfte, der glaubt, es wäre allein seine persönliche Entscheidung, unterliegt einer grausamen Fehleinschätzung. Wer wäre denn bereit zu sagen, dass er das Risiko der Behandlungskosten seiner Coviderkrankung selbst bezahlt und seinen Platz in der Intensivstation einem Geimpften überlässt, wenn es Triage gibt?

Die Konsequenzen seiner bewussten Entscheidung zu tragen, gehört zur Freiheit und nicht die Folgen seines Handels auf dem Rücken Einzelner und der Gesellschaft zu laden.

Bernd Michel